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Die Macht des Wortes

schwere Frage (allgemeine Aufgabe) Übersicht
 
Es wurde über Musik geschrieben und über Filme, aber: Was wir hier alle machen, ist lesen. Und zwar sehr fleißig und wissbegierig.
Daraus sollte man schlussfolgern können, dass in deinem Leben auch sonst das geschriebene Wort eine Bedeutung hat.
Die Aufgabe lautet: Nenne uns die in deinen Augen besten und wichtigsten Bücher und erzähle uns dazu, zu welchen Änderungen in deinem Leben, welchen Ideen in deinem Sexleben und Erkenntnissen sie dich geführt haben.


Dauer: 10 Tage    Kamera: Nein    Für: Männer, Frauen, Paare    erstellt: 08.09.2005   
Kategorie 1: literarisch    Kategorie 2: Selbstreflektion, Lebensumstände, Bücher/Filme/Webseiten   
Adultshop
gelöst  26.02.2009 16:31  


Bücher, Bücher, Bücher....

ich lese schon seit jeher viel und sehr gerne. Es ist keine Seltenheit das ein gutes Buch in einem Tag verschlungen wird. Dann kann es schon mal passieren, das mich keiner mehr ansprechen darf und ich auch selber kaum ein Wort spreche bis ich nicht fertig gelesen habe. Dieses Zuschlagen des Buchdeckels, nachdem man die letzte Seite gelesen hat.... immer wieder ein besonderer Moment. Endlich hat man das Ziel erreicht, das Ende gelesen. Endlich die Geschichte komplett verstanden. Die Bilder im Kopf sind vollständig geworden. Gleichzeitig liegt immer auch ein wenig Wehmut in diesem Zuschlagen. Bedeutet es doch auch das Ende. Aus, Vorbei, Finito.

Meine Tante arbeitete früher in einem Buchhandel und ist selber sehr belesen. Von ihr habe ich die meisten meiner Bücher geschenkt bekommen. Es gab immer Bücher.... nicht als einziges Geschenk, aber mindestens ein Buch war immer dabei. Sei es Geburtstag, Weihnachten, Ostern, Namenstag, ein besonderer Arztbesuch, eine Krankheit oder auch einfach mal so zwischendurch. Selbst heute noch wünsche ich mir oft Bücher von ihr, weiß ich doch, das auch sie sich freut das ich so gerne und viel lese und diese Leidenschaft ein Stück weit geerbt habe.

Apropos Vererbung..... ihr solltet mal das Bücherregal meines 3jährigen Sohnes sehen.... ;-) "Mama, du sollst mir was vorlesen" ist einer seiner Lieblingssätze gg woher er das nur hat???

Gleichzeitig ist aber eben dieser 3jährige Schatz und seine kleine Schwester einer der Hauptgründe, warum ich im Moment viel zu selten zum lesen komme. Die Müdigkeit fordert halt ihren Tribut.

So.... aber es ging ja eigentlich um Bücher im speziellen und nicht nur im allgemeinen. Ich versuche mal euch ein paar "Schinken", die einen gewissen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, aufzuzählen. Alles natürlich ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit.

Angefangen hat alles so mit 6 Jahren vielleicht.

Astrid Lindgren
Ronja Räubertochter
Madita
Die Kinder aus Bullerbü
Pippi Langstrumpf

Erich Kästner
Das Doppelte Lottchen
Pünktchen und Anton

Astrid Lindgren und Erich Kästner, die klassischen Kinderbuchautoren schlechthin. Ich habe sie geliebt und nachts mit der Taschenlampe unter der Bettdecke versucht zu entziffern. Gerade kam ich in der Schule mit dem Alphabet klar, wollte ich meine Bücher selber lesen. Ich wollte sie begreifen, so wie man es nicht beim vorlesen hin bekommt. Wollte mir meine eigenen Bilder dazu erfinden und die Figuren lebendig werden lassen.

Ich wünschte mir fresch und lustig zu sein wie Pippi, freiheitsliebend wie Ronja. Die besondere Freundschaft zwischen Pünktchen und Anton färbte meine Meinung über Freundschaften schon zum damaligen Zeitpunkt ungemein. Das doppelte Lottchen fand ich einfach nur rührend. Zu lesen welche Macht Kinder in all diesen Büchern haben können hat mich geprägt. Auch ich habe früh für diese Macht gekämpft. Meine eigene Meinung habe ich oft lautstark verkündet. Kaum ein Blatt vor den Mund genommen. Oft bin ich damit auch ganz schön "auf die Schnauze gefallen"... aber zum Glück mindestens genauso oft wieder aufgestanden.

Ich war nie sehr beliebt in der Schule. Im Nachhinein kann ich sagen, ich war wohl zu anders. Schon von klein auf zu wenig oberflächlich. Meine Lehrer haben mich geliebt und geachtet.... die Mitschüler hingegen gehasst und fertig gemacht.

In solchen Momenten habe ich mich in die Welt der Bücher geflüchtet. Dort zu lesen, das es auch anders sein kann, hat unglaublich gut getan. Hier wurden alle geachtet, es gab niemanden der ausgeschlossen wurde. Liebe und Freundschaft stand trotz anderer Probleme immer im Vordergrund.

So kam es dann auch zu den nächsten Büchern, die mir wohl immer in Erinnerung bleiben werden:

Else Ury
Nesthäckchen

Emmy von Rhoden
Trotzkopf

Ich weiß nicht, wie oft ich diese beiden gelesen habe. Rauf und runter..... dann mal wieder nur das ein oder andere bestimmte Kapitel. Ich habe geweint und gelacht. Im Trotzkopf fand ich mich wieder. Dieses störrische Kind..... nicht bereit Ratschläge anzunehmen..... lieber eigene Erfahrungen machen. Ja, genauso war ich. Zum Glück ließen mir meine Eltern immer alle Tore dafür offen. Ich durfte vieles, hatte ihr vollstes Vertrauen. Im Nachhinein führe ich auf dieses Vertrauen auch zurück, das ich ruhigen Gewissens behaupten kann, meine Eltern nie angelogen zu haben. Ich durfte ja alles wenn ich vorher fragte. Bescheid sagen musste ich immer.... egal war ich ihnen nie! Eben dieses Vertrauensverhältnis fand ich im Nesthäckchen wieder.

Eine weitere Eigenschaft von Nesthäckchen und auch dem Trotzkopf sind ihre Natürlichkeit, die Ehrlichkeit und das gute Herz. Haben mich diese Bücher geprägt? Ja, ich denke schon. Auch heute noch sind mir Ehrlichkeit, Vertrauen und der Glaube an das Gute im Menschen wichtig. Ich versuche so weit es geht aufrichtig mit meinen Mitmenschen umzugehen. Ein offenes Ohr bekommt jeder von mir, der es braucht. Für andere würde ich mir wenn es sein muss 3 Arme auf einmal ausreissen ;-)....

Ein großer Wunsch ist es, diese Erziehung und dieses behütete und doch nicht erdrückende Aufwachsen von Nesthäkchen und Trotzkopf auch selber umzusetzen. Meine Eltern haben es geschafft, das ich eine wunderschöne Kindheit hatte. Genauso wünsche ich es mir auch für meine Kinder. Oftmals ein schwerer Weg, wenn eine gewisse Gelassenheit erdrückt wird von Ratgebern, Super-Nanny und Co..... Vielleicht sollte ich Trotzkopf und Nesthäkchen einfach mal wieder lesen.... ;-)

Eine weitere Gemeinsamkeit zu den beiden Hauptfiguren dieser Bücher besteht wohl im Verhältnis zum Vater. Genau wie diese beiden war, und bin, ich immer Papas Liebling gewesen. Er hat mir die Welt erklärt, hat mich mitten in der Nacht mit in den Garten zum "Sterne gucken" genommen. Er hat mich beschützt, mich aber dennoch meine eigenen Erfahrungen machen lassen. Er war immer der ruhige Part in der Familie. Und auch heute noch hat er für mich diese ganz besondere Bedeutung. Ich mag es überhaupt nicht, wenn irgendjemand schlecht über ihn redet. Auch wenn ich heute, aus einem anderen Blickwinkel, auch bei ihm Fehler entdecke, so fällt es mir doch schwer, diese zuzugeben.

So, bevor ich mich ganz verzettele geht es weiter:

Christiane F
Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Gudrun Pausewang
Die Wolke
Die letzten Kinder von Schewenborn

Morthon Rue
Die Welle

Judith Kerr
Als Hitler das rosa Kanienchen stahl

Anne Frank
Das Tagebuch der Anne Frank

Anonym
Fragt mal Alice

Es folgten gesellschaftskritische Jugendbücher. Teilweise wurden sie für die Schule gelesen, teilweise habe ich sie einfach nur so verschlungen. Die Bücher handeln von Drogenmissbrauch, Atomgau und den Zeiten der Nationalsozialisten bzw. der Judenverfolgung. Ich fand es spannend solche Dinge zu lesen, die passiert sind bzw. passieren könnten. Ob sie in mir etwas bewirkt haben? Nicht existenziell denke ich.... auch ohne die Bücher hätte ich mir wohl eine Meinung über diese Themen gebildet und gefestigt. Dennoch tat es gut, eigene Ansichten über solche schrecklichen Geschichten bestätigt zu finden. Auf jeden Fall hatte ich viele interesannte Gespräche über diese Bücher, die vielleicht ohne diese Anregungen nicht stattgefunden hätten.

Jostein Gaarden
Sophies Welt
durch einen Spiegel in einem dunklen Wort

Antoine Saint Exupery
Der kleine Prinz

Fynn
Hallo Mister Gott hier spricht Anna

Ungefähr mit 15 Jahren entdeckte ich mein Interesse an philosophischen Fragen. Erst im ständigen Gespräch mit guten Freunden, später auch mit Büchern, wollte ich den Dingen auf den Grund gehen. Wenigstens für mich persönlich eine Lösung finden, mit der ich leben kann. Was lag da näher als sich an Sophies Welt heranzuwagen. Ich tat mich zum ersten Mal, trotz echtem Interesse, schwer damit ein Buch zu lesen. Ich quälte mich mühsam durch die Antike, versuchte die Geschichte in der Geschichte zu verstehen. Ich fing mehrmals von vorne an, legte das Buch dann wieder zur Seite. Immer wieder rappelte ich mich auf und versuchte zu verstehen. Doch.... es geschah nichts. Zum letzten Mal habe ich es vor ½ Jahr versucht. Doch ich schaffe es einfach nicht einzutauchen. Ich überspringe Absätze, in der Hoffnung doch noch einen Punkt zu finden, der mich fesselt, doch es geschieht immer noch nichts. Wer weiß, vielleicht nehme ich es irgendwann mal wieder zur Hand.... aber im Moment kann ich sagen: Dieses philosophische "Meisterwerk" ist nichts für mich.

Ganz anders hingegen der kleine Prinz.... 1000 Mal gelesen, viele Stellen im Buch sind angestrichen, markiert, mit Kommentaren von mir versehen. Vieles hilft mir ernsthaft weiter. Einiges hat meinen Blick auf die Dinge verändert, vieles hat geprägt. Ich liebe den Prinzen und seine Einfachheit des Daseins. Besonders die Stelle mit der Rose hat es mir angetan. (irgendjemand hatte sie doch vor kurzem noch in einem Block genannt..... ich bin jetzt zu faul zum suchen!)

Ähnlich geht es mir mit "Hallo Mister Gott, hier spricht Anna". Diese unerschütterliche Neugier eines Kindes ist einfach nur faszinierend. So echt, so rein und warmherzig..... einfach nur schön!

George Orwell
1984

Diesen Roman bekam ich empfohlen als die erste Big Brother Staffel in Deutschland ins Fernsehen kam. Alles sprach von diesem unmenschlichen Zustand, der totalen Kontrolle. Eine Aufruhr ging durch unser Land. Viel Unverständnis für diese Sendung. Käfighaltung für Menschen. Und heute? Wer schaut denn heute noch Big Brother? Wer regt sich noch darüber auf? Es ist normal geworden, gehört halt dazu.... auf der Suche nach Quoten!

Wie gesagt, zu dieser Zeit empfahl mir eine Bekannte 1984. Eine erschreckende Zukunftsperspektive. Keine freie Meinung, totale Überwachung, Monitore und Kameras wohin man nur schaut. Auch heute noch hoffe ich, das es nie so weit kommen wird....

Betty Mahmoody
nicht ohne meine Tochter

Ein fürchterliches Szenario. Keine Ahnung, wann ich dieses Buch gelesen habe. Es war jedenfalls lange bevor meine eigenen Kinder auf die Welt kamen. Zum Glück muss ich sagen, sonst hätte ich wohl nur tränen überströmt über dem Buch gesessen. Diese Stärke und die Kraft einer Wölfin, mit der die Mutter um ihre Tochter kämpft, kann wohl nur ein Mutterherz so richtig nachempfinden. Erschreckend hat mir dieses Buch die Augen geöffnet. Ich kann verstehen, wenn ein Mensch einen solchen Hass auf jemand anderen entwickelt, das er bereit wäre zu töten. Vorher für mich unvorstellbar.

Cecelia Ahern
P.S. Ich liebe Dich
Zwischen Himmel und Liebe
Vermiss mein nicht
Für immer vielleicht

Anna McPartlin
Weil du bei mir bist

Marc Levy
solange du da bist
wenn wir zwei zusammen sind
sieben Tage für die Ewigkeit

Das alles sind die Bücher meiner jetzigen Zeit. In diesen Werken könnte ich versinken. Kurz, schnell und einfach zu lesen.... und doch mit einigem Tiefgang. Teilweise wahre Schnulzwerke. Und auch sie prägen mich immer wieder. In mir entsteht ein Traum. Der Traum von einem Leben, das so schön sein soll wie in diesen Büchern. Realistisch???? Ich weiß es noch nicht. Diese Bücher spiegeln Freundschaften und Beziehungen in Vollendung. Natürlich mit den gewissen Berg- und Talfahrten, die das Leben so mit sich bringt. Aber doch immer wieder mit einem positiven Ende. Gemeinsam Probleme und Sorgen des Alltags bestreiten, sich fremd werden, und doch wieder den richtigen Weg einschlagen. Auf ein Leben zurück blicken und sagen können: Es war gut, genau so wie es war. Alles nur ein Traum???