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normale Aufgabe (allgemeine Aufgabe) Übersicht
 

"Auf dem ersten Bild war Sofia nackt. Um sie standen 16 Männer in Anzügen und starrten sie an."

Dieses Zitat entstammt einer Lösung Buchempfehlung von  Caress. Es geht um ein Buch von Ferdinand von Schirach, Tabu. Und ich dachte, hey, das ist doch ein guter Anfang für eine neue Geschichte. Oder mehrere...

Also los: Das ist der erste Satz deiner (!) Geschichte. Lass uns teilhaben, wie es weitergeht.



Dauer: 10 Tage    Kamera: Nein    Für: Männer, Frauen, Paare    erstellt: 26.11.2015   
Kategorie 1: literarisch    Kategorie 2: Wünsche/Phantasien, Schreibaufgabe, Kreativ, Bücher/Filme/Webseiten   
Adultshop
gelöst  27.11.2015 21:41  


Auf dem ersten Bild war Sofia nackt. Um sie standen 16 Männer in Anzügen und starrten sie an.

Ihre Beine versagten ihr den Dienst, sie mußte sich abstützen. Ungläubig starrte Sofia auf den kleinen Bildschirm. Was war das für ein Foto? Sie konnte sich nicht erinnern. Wie kamen es auf Christians Handy? Und was hatte sie überhaupt dazu gebracht, in seinem Telefon herumzublättern? Alles in ihr rebellierte, aber sie mußte einfach weiterscrollen. Gab es da noch mehr?

 

Es gab

 

Es gab noch viel mehr.

 

Auf den nächsten Bildern lag sie auf einer Art Marmortisch, auf manchen Fotos nackt, auf anderen bedeckt von einer Art dünnem Schleier. Um sie herum wieder Unbekannte - Männer in schwarzen Anzügen, Frauen in Abendgarderobe. Ein Foto von Händen, die sanft ihren Hinterkopf stützten, Frauenhänden mit vielen Ringen an allen Fingern. Auf diesem Bild hatte sie die definitiv Augen geöffnet, sie schlief also nicht. Aber so sehr sie auch ihre Erinnerung marterte, sie fand keinen Hinweis auf das, was sie da sah. Sie blätterte weiter. Kerzen. Rote Kerzen, schwarze Kerzen. Rote Umhänge, schwarze Umhänge. Kapuzen. Fackeln. Viele Hände auf ihrem Körper, strahlenförmig, von allen Seiten kommend. Blanke Degen, im Feuerschein glänzend. Okkulte Symbole.

 

Was zum..

 

Dann ein Foto, das ihr Blut gefrieren ließ - aus ihrem Schoß stieg eine Flamme empor, davor knieten Männer - waren es überhaupt Männer? - mit Kapuzen, die sie anzubeten schienen - oder vielmehr das anbeteten, was da brannte, was da Besitz von ihr ergriffen hatte.

 

Sofia versuchte, die Kontrolle wiederzugewinnen. Bleib ruhig! Entspanne Dich! Keine Panik! KEINE PANIK! Wer, Wo, Wann, Was - und dann erst das Warum. Das war jetzt wichtig. irgendwo in diesen Handyfotos war ja doch immer die Zeit eingetragen. Menü - Eigenschaften - oder sowas. Sie war jetzt ganz ruhig. Der 30. April - das erste W, das Wann. Das zweite - wo war sie damals? So gut war ihr Gedächtnis noch - Christian hatte sie eingeladen, über das verlängerte Wochenende waren sie nach Rom gefahren. Okay. Und dort... dort waren sie in irgendeinem ziemlich schicken Palazzo zum Abendessen gewesen, festliche Atmosphäre, ja, schwarze Anzüge, ja, auch. Und ihr war schlecht geworden und am nächsten Morgen saß Christian an ihrem Bett und sie hatte sich gefreut, daß er sie nach Hause gebracht hatte, sich um sie kümmerte, sie ihm vertrauen konnte

 

Aber offenbar war noch mehr passiert in dieser Nacht, in diesem Palazzo - etwas, woran sie sich nicht erinnerte. Wovon war ihr schlecht geworden, warum? Denk nach! Erinnere Dich! Das letzte Bild, das in ihrem Kopf war, war Christian, mit dem sie anstieß, das Glas Wein in ihrer Hand, sein verschmitztes, hintergründiges Lächeln. Dieses Aas! Er mußte ihr etwas gegeben haben, irgend etwas, das sie willenlos gemacht und ihr gleichzeitig die Erinnerung an diese Zeit genommen hatte. Und dann hatte er sie diesen Freaks ausgeliefert.

 

Ihr schlechtes Gewissen, die anfängliche Scham darüber, in seinen Daten herumzusuchen, war wie weggeblasen. Sie wollte wissen, was da passiert war. Vertrauensbruch hin oder her, das, was er da mit ihr angestellt hatte, war in jedem Fall schlimmer. Entschlossen blätterte sie weiter. Mehr Kerzen, mehr Kapuzen, mehr Feuer.

 

Dann ein Bild, auf dem sie auf diesem Marmortisch, diesem Altar oder was auch immer das war, nicht mehr lag, sondern stand. Sofia wußte, daß sie einen schönen Körper hatte, sie war mit sich im Großen und Ganzen zufrieden, aber so hatte sie sich noch nie gesehen - innerlich leuchtend, die vor ihr Knieenden beherrschend, gebieterisch und von einer grausamen, übermenschlichen Schönheit. Aus ihren nach oben geöffneten Händen stiegen Flammen, ihre Augen waren sengendes Feuer. Und plötzlich, beim Blick in diese Augen, kam ihr die Erinnerung wieder, gewaltsam wie ein Schlag in die Magengrube. Sie sah wieder die Menge, den von Fackeln und Kerzen erleuchteten Saal. Sie hörte wieder die gemurmelten Beschwörungen, den getragenen Chor im Hintergrund, roch wieder den Weihrauch und das frische Tierblut, spürte wieder die Angst und die Ergebenheit IHRES Volkes, fühlte wieder diese Stärke, dieses Eins-Sein mit einer größeren Macht, einem bösen, gnadenlosen, übermenschlichen Wesen. Und sie spürte, daß diese Macht immer noch in ihr war, ihr zur Gebote stand, wenn sie es nur wollte. Ihre Handflächen prickelten, sie richtete sie in einer plötzlichen Eingebung auf Christians Foto auf dem Nachttisch. Ein Blitz zuckte, der Bilderrahmen verwandelte sich in eine kleine Wolke, nur ein leichter Schwefelgeruch blieb zurück.

 

Sofia lächelte jetzt diabolisch, schob einen Sessel mitten ins Zimmer und setzte sich, die Wohnungstür im Blick. Sie hatte Zeit, alle Zeit der Welt, sie war entspannt. Aufrecht, die Arme locker auf den Lehnen liegend, die Beine leicht geöffnet, wartete sie.

 

Bald würde Christian nach Hause kommen. Ein letztes Mal.

 

Okkult